Leselust e. V. Förderverein Büchereien in Schöneck
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Hier finden Sie Lesetipps aus dem Kreis unserer Mitglieder:

Paul Auster - Invisible

„Unsichtbar“ so lautet der Titel dieses Buches auf Deutsch. Unsichtbar, so scheint die ordnende Hand des Autors zu sein. Die Protagonisten des Buches werden ausdrücklich mit fiktiven Namen bezeichnet. Das dürfte zwar in jedem Roman der Fall sein, aber dem Autor ist es wichtig, dem Leser auf die fiktive Existenz der Personen hinzuweisen, ganz so als habe es die Handlung wirklich gegeben.
Der Collegestudent Adam Walker stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie. Der Vater betreibt einen Supermarkt. Doch die Familiengeschichte bietet bereits Stoff für ein Drama:
der jüngere Bruder von Adam Walker ertrinkt während eines Sommeraufenthalt der Familie
in einem See. Er geht schwimmen und kommt nicht wieder, diese Tatsache schweißt Adam mit seiner Schwester zusammen, während die Eltern in stummer Trauer über den Verlust ihres Kindes versinken. Die Beiden feiern den Geburtstag ihres Bruders jedes Jahr zusammen.
Adam Walker trifft auf seinen Gegenspieler, den französischen Politikprofessor Rudolf Born, bei einer Party. Rudolf Born ist in Begleitung seiner französischen Geliebten Margot dort. Und diese hat ein Auge auf den jungen und sichtbar gelangweilten Adam geworfen.
Es kommt zu einem ersten Gespräch zwischen Adam und Rudolf. Aus dem sich eine sehr ambivalente Beziehung entwickelt. Auf Drängen Margots bietet Rudolf dem jungen Adam an, für ihn als Herausgeber eines literarischen Hochglanzmagazins zu arbeiten. Eine Herausforderung, die Adam, der bisher nur ein paar Gedichte veröffentlichte, kaum widerstehen kann. Obwohl Rudolf unerklärlich viel über seine Familie weiß und es ihm rätselhaft ist, warum gerade er diese Chance bekommt. Adam und Margot kommen sich näher, sehr viel näher als erlaubt, nicht einmal das scheint Rudolf zu stören. Dennoch kommt es zum Bruch zwischen Adam und Rudolf. Adam hat gerade sein erstes Honorar erhalten, als beide während eines Spaziergangs von einem jungen Straßenräuber bedroht werden.
Rudolf Born zögert nicht lange und sticht den Jungen nieder. Er entfernt sich vom Tatort und überlässt es Adam, Hilfe zu holen. Doch der junge Straßenräuber ist tot, als diese eintrifft und auch Adam geht zunächst nicht zur Polizei. Ob es die Drohung von Rudolf Born ist, die ihn abhält oder die unbewusste Absicht, dem ungeliebten Mäzen Zeit zur Flucht zu geben, ist unklar. Nach etlichen Wochen gibt er sein Wissen der Polizei preis.
Doch Rudolf Born ist nach Paris geflohen und nun beginnt Adams Suche nach Gerechtigkeit.
Er erzählt seiner über alles geliebten Schwester von dem Vorfall. Die Geschwister kommen sich unerlaubt nahe. Sie wohnen in einem Appartement in New York einen Sommer lang, bevor Adam Rudolf nach Paris folgt, um einen Auslandstudienaufenthalt zu absolvieren.
In Paris kreuzen sich die Wege der beiden Protagonisten wieder. Adam konfrontiert die
neue Liebe des Professors mit dessen Tat in New York und zieht auch deren Tochter Cécile mit hinein. Man glaubt ihm nicht, stattdessen findet die Polizei in seinem Hotelzimmer Drogen.
Statt einer Strafe in Frankreich wird Adam ausgewiesen, mit der Maßgabe nie wieder nach Frankreich zurückzukehren.
Hier enden nun die Aufzeichnungen des Schicksalsjahrs 1967 und Jahrzehnte später
sendet der krebskranke Adam Walker diese an einen ehemaligen Mitstudenten, der nun ein erfolgreicher Autor geworden ist. Er bittet ihn, daraus ein Buch zu machen. Der Leser erfährt nun den Rest des Lebens von Adam Walker, ein ziemliches Klischee. Adam Walker ist als Rechtsanwalt sein Leben lang für die Sozial Schwachen eingetreten, hat eine farbige Frau und eine Adoptivtochter. James Freeman kann Adam Walker nicht mehr treffen, da Adam Walker kurz darauf verstirbt, nicht ohne vorher seine letzten Aufzeichnungen seiner Frau hinterlassen zu haben. Aus diesen letzten Aufzeichnungen und dem Tagebuch von Cécile, der Tochter der Pariser Liebe von Rudolf Born besteht nun der Rest des Buches.
Man erfährt, dass die einzigen Überlebenden, die James Freeman befragen kann, die Schwester von Adam und eben jene Tochter sind Und natürlich Rudolf Born. Der auf einer Karibikinsel in seinem eigenen Zynismus badet, alt und dick geworden. Und der Cécile zu sich einlädt, um ihr den Antrag zu machen, obwohl er sie körperlich verabscheut. Man liest, dass Cécile Adam immer geliebt hat und immer noch liebt und sich dafür schämt, ihn nach dessen Aussage über Rudolf Born verstoßen zu haben. Man findet das ein bisschen schön und auch gerecht. Und die Schwester bestreitet die körperliche Liebe zu ihrem Bruder, bittet James Freeman aber, den Stoff mit fiktiven Personen zu veröffentlichen.
Paul Auster bietet also kein oberflächliches Happy End an. Der Tod beendet dieses Theaterstück, an dessen Handlungssträngen so viele unterschiedliche Personen hängen. Der Gute darf sterben, während der Böse sein (Dantes) Inferno im irdischen Leben auskosten muss. Allein und auf einem hohen Berg.

David Benioff - City of Thieves

Eine erfundene Geschichte zwar, aber sehr spannend erzählt und gut rercherchiert. Ein bekannter amerikanischer Screenschreiber schreibt die Erlebnisse  seines Großvaters, eines russichen Emigranten, auf. Eine Geschichte von zwei völlig ungleichen Menschen, die das Schicksal zusammen führt, um eine irrwitzige Aufgabe im von Deutschen eingeschlossenen Leningrad zu erfüllen.

Alan Bennett - Die souveräne Leserin

Die souveräne Leserin" - dahinter verbirgt sich überraschend die Königin von England. Das ca.100 Seiten umfassende Buch entwirft ein fantastisches Szenario, in dem sich Queen Elisabeth erstmalig ein persönliches Hobby erlaubt, das sie sich in Erfüllung ihrer königlichen Verpflichtungen bisher immer versagt hatte: Lesen.
Die erste Begegnung der Queen mit einem Buch findet zufällig in einem alten Bücherbus statt. Mit jedem weiteren Buch verfällt die Königin immer mehr ihrem neuen Hobby. Sie wird zu einer eifrigen und kritischen Leserin, zunehmend verlässt sie die starren Konventionen am Hof und verwickelt die königliche Familie, ihr Personal und Gäste in überraschende Gespräche über das Lesen und die Literatur. Alan Bennett, einer der populären Dramatiker Großbritanniens, lädt zu einer mit britischem Humor geschriebenen Reise durch die Welt der Literatur ein. „Eine königlich amüsante Geschichte von Menschen und Büchern, so klug und schön und wahr…“ (Dennis Scheck)

T.C. Boyle - San Miguel

San Miguel ist eine heute unbewohnte kleine Insel vor der Küste Kaliforniens. Dies war bis 1948 nicht so. Schafzüchter bewohnten die Insel.
Der Roman basiert auf den Geschichten der Familien Waters und Lester, die zu unterschiedlichen Zeiten auf der Insel lebten. Beiden Familien ist es gemein, dass sich auf San Miguel jeweils die Männer ihren Unabhängigkeitstraum verwirklichten.
Während Captain William G. Waters, ehemals Drucker bei einer Zeitung in San Francisco, nach der Heirat einer lungenkranken Witwe eines wohlhabenden Kaufhausbesitzers deren Geld nutzt, um sich in den Besitz der Insel zu bringen, ist es bei Herbert Lester ein Freund, der ihm in den unsicheren Zeiten der Weltwirtschaftskrise eine einigermaßen sichere Existenz bietet. Er verpachtet ihm die Insel.
All das ist nachzulesen, u.a. in der Geschichte der Insel San Miguel auf

http://lestersstore.wordpress.com/2011/10/22/history-of-san-miguel-island-and-the-lester-family/

und der Biographie von Nichalas C. Creede:

http://en.wikipedia.org/wiki/Nicholas_C._Creede
.

Warum also sollte man das Buch lesen? In einer anderen Rezension zu dem Buch heißt es, T.C. Boyle sei ein gemütlicher Erzähler geworden. Ich finde, er ist in erster Linie ein Aufzähler. Wie an einer Perlenkette gereiht, zählt er die Erlebnisse und das Erleben in erster Linie der Frauen auf, ohne das wirkliche Verbindungen entstehen. Es ist dem Leser überlassen, den fiktiven Gefühlsbeschreibungen zu glauben oder es zu lassen.
Zwingend ist es alles nicht, zumal viele Worte mit scheinbaren Banalitäten verschwendet werden ( à la: ... and there was Edith doing this and that..). Es folgen Beschreibungen der Tätigkeiten oder es wird detailgenau über Speisen und Speisenfolgen berichtet.
Fazit allein könnte es sein, dass Frauen besser leiden können und Männer sich immer selbst verwirklichen wollen. Die Charaktere wirken aber jeweils sehr überzeichnet, natürlich haben sie auch auf einer öden grasbewachsenen Felseninsel wesentlich mehr Raum als in der Zivilisation.
San Miguel wird zuweilen auch zur Schatzinsel, Strandgut dient zum Bau eines neuen Hauses für die Lesters. Japanische Fischer tauchen ebenso schnell auf wie sie wieder verschwinden. Und ein japanisches U-Boot beschießt eine Ölplattform, der einzige dokumentierte Angriff vor dem Festland der U.S.A. seitens der Japaner während des Zweiten Weltkriegs.
Das eigentliche Drama dieses Buches ist der Alltag der Menschen in der Natur, die letztendlich obsiegt.
Nur wird dies während der Lektüre nicht allzu deutlich.

Mir persönlich fehlt auch der berühmte und in den Romanen amerikanischer Schriftsteller meist vorhandene Spannungsbogen. Es hat mich nicht unterhalten, San Miguel ist eben keine richtige Schatzinsel.

Bill Bryson - A Short History Of Nearly Everything


As Bill Bryson mostly puts it: we do know nothing and what we know, we do not know exactly.
Wenn man sein Buch "A Short History Of Nearly Everything" gelesen hat (zu deutsch: "Eine kurze Geschichte von fast allem"), dann weiß man zumindest das.
Ob der homo sapiens als Gattung allerdings tatsächlich weiß, dass er nichts weiß, das sei dahin gestellt.
Zum Inhalt des Buches: Bill Bryson beschreibt sehr anschaulich das, was wir einigermaßen sicher wissen. Die Entwicklung des Lebens und noch viel mehr unserer speziellen Gattung hing von sehr vielen glücklichen Umständen ab, die der Planet Erde geboten hat. Immer wieder gab es den Planeten als Ganzes bedrohende kosmische Ereignisse, die die Entstehung des Lebens auf unserem fragilen Planeten in Frage stellten, aber auch förderten. Unser Planet selbst bietet tödliche Bedrohungen für unser individuelles Leben zuhauf. In einem Land wie Island wird einem das klarer als in Deutschland. Was für den Einzelnen tödlich ist, mag für die Gattung noch lange nicht dasselbe sein, das Leben an sich scheint, je primitiver, desto widerstandsfähiger zu sein.
Es wird klar, dass ein Mikrokosmos uns am Leben erhält, den wir kaum kennen und noch weniger verstehen. Selbst unsere eigene Abstammung können wir nicht 100%ig nachvollziehen.
Wissenschaftliche Auswertungen von Knochenfunden waren oft durch gen-kontaminierte Belege falsch oder widersprüchlich in ihren Aussagen.
Fest steht, unser Organismus besteht aus Zellen, die unser Leben steuern und der genetische Code aller derzeit lebenden Menschen unterscheidet sich nur gering im Vergleich zur Variationsbreite bei den Tieren (Beispiel: Schimpansen). Das lässt den Schluss zu, dass unsere genetischer Pool auf relativ geringen Anzahl von Menschen beruht, die irgendwie irgend etwas überlebt haben.
Trotzdem bringen wir es ja fertig, uns aus den verschiedensten Gründen, gegenseitig umzubringen.
Unsere Atome, die die Baustoffe unseres Lebens bilden, sterben nicht mit uns. Sie verbinden sich einfach zu neuen Elementen. Das wird den Einzelnen nicht trösten und macht die rapide Ausrottung
vieler Tier- und Pflanzenarten durch den Homo Sapiens auch nicht besser.
Bill Bryson schreibt wirklich über "Alles" sehr unterhaltsam und wird nicht müde, die paradoxen Entwicklungen in der Wissenschaftsgeschichte genüsslich aufzuzeigen.
Ob das Leben nun ein großer Zufall war oder das Ergebnis eines zwangsläufigen Ablaufs, einer Schöpfung sozusagen, mit dieser Frage steht jeder Mensch allein da.
0,01% der Erdgeschichte erfreuten sich der Gegenwart des Menschen. Da scheinen die Schlusssätze
von Bill Bryson sehr logisch: "We really are at the beginning of it all. The trick, of course, is to make sure we never find the end."

Serap Cileli - Eure Ehre-unser Leid

blanvalet , TB 14,95
Als die türkisch-stämmige Autorin Serap Cileli 2002 mit ihrem Buch „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ an die Öffentlichkeit ging, eröffnete sie den Blick in die Abgründe des gescheiterten Multikulti-Traumes. Mittlerweile mit zahlreichen Ehrungen, wie dem Bundesverdienstkreuz, gewürdigt, steht ihre Arbeit im Zeichen des Kampfes für Rechte der Frauen.
In ihrem neuen Buch „Eure Ehre – unser Leid“ klärt sie den Leser über die Facetten des Lebens muslimisch-türkischer Frauen auf. Sie erzählt mit eindringlicher Authentizität von ihrem eigenen Leben und vom Leiden ihrer Schützlinge, für deren Freiheit sich die Autorin einsetzt. Dabei verdeutlicht sie ihre Schilderungen mit Studien der Bundesregierung, Zeitungsartikeln und sogar mit dem Koran selbst.

„ Ein erschütterndes Dokument der Gewalt und Einschüchterung, aber auch der Hoffnung auf Veränderung.“

Paulo Coelho - Der Alchimist

Ein andalusischer Hirte sucht sein Glück auf den Weg zu den Pyramiden von Gizeh.


John M. Coetzee – Summertime

Das Buch des südafrikanischen Schriftstellers ist Fiktion und dennoch autobiographisch.
Mehrere wichtige Personen im Leben des Alter Ego kommen zu Wort, interviewt von dem stets im Hintergrund bleibenden englischen Ph.D.-Studenten, dessen Fragen aber den Charakter des zu erforschenden, vermeintlich bereits verstorbenen, Autors John M. Coetzee
ein ums andere mal heraus arbeiten. Da tritt in den Schilderungen der Zeitzeugen ein recht spröder und weltfremder Mensch hervor, der seine Cousine als Kind lieb hatte, ein kurzes Verhältnis mit einer betrogenen Ehefrau eingeht, eine brasilianische Sambatänzerin stalkt und deren Tochter unterricht und eine Liebe zu einer französischen Lehrerkollegin hatte.
Ein Mensch, der von den Frauen als zu leicht empfunden wird, zu wenig gefühlvoll und zu andersartig, um als richtiger Mann durchzugehen. Und auch der übrige Erfolg im Leben stellt sich kaum ein. Dieser John M. Coetzee ist in die U.S.A. ausgewandert, muss das Land verlassen, weil er dort Probleme wegen seiner Einstellung zum Vietnamkrieg bekommt und lebt dann bei seinem Vater.
Szenen aus Kapstadt und dem Outback wechseln sich ab, Szenen aus der Zeit der Apartheid in den Siebziger Jahren. Einer Zeit, in der schon viele Weiße wussten, dass das Paradies ihrer eingezäunten Vorstädte nicht ewig bestehen würde..
Dieser Coetzee kann nichts richtig und arbeitet doch immer weiter. Er versucht, das Haus des Vaters zu erneuern und unterschätzt die damit verbundene Arbeit. Er gibt Nachhilfeunterricht an der Uni, ohne ein richtiger Hochschullehrer zu sein. Er bleibt mit dem uralten Pickup, den er vergeblich zu reparieren versucht, bei einem Ausflug mit seiner Cousine in der Wüste stecken.
Das große Geheimnis des Buches ist: wie viel John M. Coetzee ist dieser John M. Coetzee?
Er schreibt Poesie, das macht ihn für seine Farmerfamilie nicht besser. Er ist kein Rassist und doch nicht politisch.
Da man diese Frage dennoch nicht beantworten kann, liest man einfach das Buch, als das, was es ist: ein sehr menschliches Portrait des untergegangenen südafrikanischen Apartheidstaates.
Und eines Menschen, dessen Bemühen im Vordergrund steht, der beschreibt und nicht handelt.
John M. Coetzee erhielt 2003 den Nobelpreis für Literatur. Er ist Vater zweier Töchter und Witwer. Und lebt in Australien.

Das Buch Hitler

ist erstaunlich kurzweilig geraten, auch wenn der Inhalt teilweise schwer verdaulich ist.
Stalin interessierte sich so sehr für die Eigenschaften seines Widersachers Hitler, dass er dessen zwei engste Mitarbeiter (Kammerdiener Heinz Linge und den persönlichen Adjutant Otto Günsche) in der Kriegsgefangenschaft verhören und bespitzeln ließ.
Neben den Befindlichkeiten Hitlers tritt dessen fatale Oberflächkeit in der Beurteilung von Freund und Feind in den Vordergrund. Das Buch dient natürlich auch einem anderen propagandistischem Zweck: zweifelsfrei arbeitet es heraus, dass die Sowjetunion den Löwenanteil des Kampfes gegen Hitlerdeutschland geleistet hat. Aber es wird auch klar, dass die deutsche Industrie direkt in die Verbrechen in den besetzten Ländern involviert war und dass die Generale der Wehrmacht wider besseres Wissen überzeugte und willfährige Instrumente ihres Führers waren.

Andrew Davidson - The Gargoyle

The Gargoyle – wörtlich übersetzt ist das ein Wasserspeier, gemeint ist aber hier eines der steinernen Fabelwesen, die eine beschützende Eigenschaft haben sollen und in mittelalterliche Kirchen das Böse vertreiben sollen.

Das Buch ist das Erstlingswerk des Autors, es liegt in gebundener Form auch in deutscher Sprache vor. Wer es englisch lesen kann, dem sei das Taschenbuch empfohlen. Der Plot des Romans ist sehr phantasievoll. Ein junger Mann, bei Pflegeeltern groß geworden und aufgrund seines guten äußerlichen Aussehens anscheinend mit keiner anderen Bestimmung aufgewachsen, als Darsteller und Produzent von Pornofilmen zu werden, erleidet bei einem Autounfall schwerste Verbrennungen. Dabei verbrennt nicht nur ein Teil des Gesichts, nein auch das beste Stück fällt den Flammen zum Opfer. Brennende Pfeile sah der Mann kurz vor seinem Unfall auf sich zu kommen, eine Vision, die ihn zurück führt in sein schon einmal gelebtes mittelalterliches Leben. An dieses kann er sich nicht erinnern, auch nicht, als eine rätselhafte Frau an seinem Krankenbett auftaucht, die nun fortgesetzt behaupten wird, im mittelalterlichen Deutschland und zwar im Kloster Engelthal bei Nürnberg seine Bekanntschaft gemacht zu haben. Die beständigen Besuche und auch das Geschenk einer kleinen Steinfigur, eben jenes Wasserspeiers hindern den Protagonisten nicht daran, sich beim Warten auf die nächste Morphiumdosis genüsslich zu überlegen, auf wie viele Arten ein Mensch sich umbringen kann. Marianne Engel heißt die rätselhafte, an Schizophrenie erkrankte Person, die nun immer wieder Geschichten erzählt von Menschen, die sich lieben und die nun Episoden aus dem gemeinsamen früheren Leben nach und nach offenbart.

Diese Liebesgeschichten enden immer mit dem Tod der geliebten Person, der aber die Liebe nicht besiegen kann. Der Patient macht Fortschritte auch emotional, die Liebe dieser Frau beginnt ihn zu beeindrucken. So nimmt er sogar letztlich seine Therapie an, baut emotionale Beziehungen zum Pflegepersonal auf und sehnt sich danach, von Marianne Engel nach dem Ende seines Krankenhausaufenthalts mit nach hause genommen zu werden. Bald muss er erkennen, dass er die Frau mit dem Engeltattoo auf dem Rücken mit deren Besessenheit teilen muss. Denn Marianne Engel ist eine begnadete Bildhauerin und sie arbeitet im Auftrag der Dreifaltigkeit, deren eine Seite Meister Eckhardt ist, eine andere die eines geliebten Paters. So arbeitet sie ohne Rücksicht auf ihre körperliche Gesundheit, denn die Steine rufen sie. Jede Fertigstellung eines Steins ist die Freigabe eines Herzens. Und erst wenn das letzte Herz freigegeben ist, ist auch Marianne Engel erlöst. Das letzte Herz nun kann nur der Geliebte freigeben, der Ehemann aus einem anderen Leben. Dieser erkennt, dass er erst jetzt, wo er über keine Manneskraft mehr verfügt, der Liebe fähig ist und dass er dennoch kein Recht hat, Marianne Engel aufzuhalten. So lässt er sie in den, nach der letzten Statue von ihr ersehnten, Freitod ziehen. Liebe bedeutet auch los lassen können. Die fällt natürlich leichter, wenn man sich das Paradies als das Einssein mit geliebten Menschen ohne störende Körperlichkeit vorstellt.
Die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri und vor allem die darin enthaltenen  Jenseitsvorstellungen haben also Pate gestanden nicht nur bei den vielen verwobenen Geschichten. Diese tauchen u.a. in den Träumen des Protagonisten während des kalten Morphiumentzugs auf. Und ein Exemplar dieses Buches rettete ihm in seinem mittelalterlichen Leben als Söldner das Leben: der brennende Pfeil, der für sein Herz bestimmt war, trifft das unter dem Mantel getragene Buch (ein Exemplar der „Göttlichen Komödie&ldquo und tötet ihn daher nicht. Aus dem Söldner wird ein Bildhauer, der die ihn pflegende Nonne zur Frau nimmt und der dieser Frau den kleinen Gargoyle zum Geschenk macht.

„The Gargoyle“ ist ein Buch in dem sich viele Kreise schließen und wer meint, diese Beschreibung sei zu lang, der lese das Buch und lerne, es zu lieben.  
  
Andreas Franz - Eisige Nähe

Knaur- HC, 16,95
Der Kieler Musikproduzent Peter Bruhns wird zusammen mit seiner jungen Geliebten tot in seinem Penthouse aufgefunden. Eine Beziehungstat? Oder das Werk eines persönlichen Feindes, von denen es nicht wenige gibt? Bei den Untersuchungen wird ein Gift gefunden, das den Kommissaren Sören Henning und Lisa Santos Rätsel aufgibt. Der Fall nimmt eine ungeahnte Wendung, als am Tatort DNA sichergestellt wird, die in Deutschland bereits nach verschiedenen Morden aufgetaucht ist. Ist hier ein Massenmörder am Werk? Was steckt wirklich hinter dem Mord an Peter Bruhns? Auch diesmal laufen die Ermittlungen auf Hochtouren und nehmen eine überraschende Wendung. Bald sind die Ermittler Henning und Santos einem gut gehütetem Geheimnis auf der Spur.

Jonathan Franzen - The Corrections

Jonathan Franzen schaut hinter den Spiegel und zwar so scharfsinnig beobachtend, das einem schlecht wird. Jeder Mann kennt die Situation: gerade wenn ein handwerkliches Problem am kniffligsten zu sein scheint, ruft die Frau. Alfred Lambert, kurz Al genannt, ist ein pensionierter Ingenieur mit hauseigenem Labor und hat aber noch ein ganz anderes Problem. Er leidet an Parkinson und Demenz zugleich und so ist jedes kleine Handwerk ein Riesenproblem, das ihn an den Rand seiner begrenzten Möglichkeiten führt.
Und da taucht dann seine Ehefrau Enid auf, die bis zu seinem Lebensende nicht aufhören wird, ihm zu sagen, was er falsch gemacht hat. Beide leben in einem Haus in dem beschaulichen St. Jude, einem Städtchen im Mittleren Westen der USA, wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint. Enid als Mutter möchte, dass ihre drei Kinder möglichst zusammen mit ihren Familien, noch einmal zu einem letzten Weihnachtsfest nach St. Jude kommen. Man hätte dem Buch Franzens auch durchaus den Titel „Probleme“ geben können, denn die werden nun offenbar. Gary, Finanzinvestor ohne Überstunden und der scheinbar solideste Sohn, kann weder seine Frau noch seinen Lieblingssohn zu einem gemeinsamen Weihnachten in St. Jude überreden und erscheint allein. Er meint das Schicksal seiner Eltern durch den Hausverkauf regeln zu können und will so entstehendem Finanzbedarf der beiden Eltern vorbeugen. Chip, genannt Chipper, ist erst gar nicht verheiratet und betreibt dubiose Finanzgeschäfte in Litauen. Ein Regierungssturz in Litauen zwingt ihn zur Heimkehr, die er aber nicht pünktlich schafft. Denise schließlich ist auch kein Beispiel für Enids Familienplanung. Sie ist nicht verheiratet und verliert ihren Job als verantwortliche Leiterin eines renommierten Restaurants, weil sie sowohl mit ihrem Chef als auch mit dessen Frau ein Verhältnis hat. Jedes der Kinder bringt also sein Päckchen mit zu dieser Bescherung ohne dass es dort geöffnet werden kann.
Immerhin kommen alle nun zusammen und das Drama nimmt seinen Lauf. Enid muss erkennen, dass es zu spät für Alfred ist, eine geplante Therapie zu beginnen, weil Denise feststellt, dass er simpelste Bewegungsübungen nicht mehr kontrolliert ausführen kann. Denise erkennt, dass ihr Vater von einem Verhältnis eines seiner Arbeiter mit ihr gewusst und dies verschwiegen hat. Der Arbeiter versuchte später Alfred zu erpressen, aus Scham ging dieser in den Vorruhestand. Denise sieht auch, dass der sonst so hart kritisierte Chip der Lieblingssohn des Vaters ist, dessen Stimme ihn immer wieder aus dem Nebel seiner Demenz zieht. Und Gary muss erkennen, dass er für den Hausverkauf keinen Grund mehr hat, den Alfred wird in dem Haus nicht mehr leben können.
Es sind ganz andere „Korrekturen“ also, als die, die man erwartet hätte. Chip und Denise werden ihre Mutter bis zum Tod des Vaters unterstützen. Chip wird in eine jüdische Familie einheiraten und Denise wieder eine Anstellung bekommen. Enid wird das Krankenhaus nach dem Tod ihres Mannes verlassen und beschließen, dass sie auch mit 75 noch viel zu ändern hat. Soweit eine versuchte Zusammenfassung des Geschehens, das den Rahmen bildet für die immer gleiche Dramatik des Lebens. Die scheinbare Zusammenhanglosigkeit menschlichen Tuns und Vergeblichkeit mancher menschlichen Sehnsüchte verhindern nicht, dass der Mensch immer wieder seinen Bildern von Liebe und Richtigkeit nach läuft und zwar für sich allein. Das Leben ist der große Korrektor.
Franzens Roman offenbart natürlich autobiographische Züge. So ist der Protagonist Alfred ebenso wie der Autor in Illinois geboren. Die lebensfeindliche Haltung, die eine Abscheu gegenüber jeglicher Lust beinhaltet sowie eine Kühle gegenüber den engsten Angehörigen, scheinen ihm wohl bekannt. Die Schilderung der einzelnen Charaktere ist packend bis ins Detail, jeder für sich wird in Form einer Novelle dargestellt und immer dann, wenn es gerade sehr spannend ist, beginnt eine neue Geschichte. Franzen ist nicht nur Erzähler, er ist ein gnadenloser Beobachter und Meister der Analyse.

Arno Geiger - Alles über Sally

Hanser, geb. 21,50 Euro, Roman
Alfred und Sally sind schon 30 Jahre lang verheiratet. Das Leben geht seinen Gang, allzu ruhig, wenn man Sally fragt. Als Einbrecher ihr Vorstadthaus in Wien heimsuchen, ist plötzlich nicht nur die häusliche Ordnung dahin: In einem Anfall von trotzigem Lebenshunger beginnt Sally ein Verhältnis mit Alfreds bestem Freund.
Arno Geiger, der international gefeierte Buchpreisträger aus Österreich, schreibt noch einmal den großen Roman vom Liebesverrat. Eine Geschichte von Ehe und Liebe in unserer Zeit. „Alles über Sally“ ist ein Plädoyer für die Dauer, in einer schnelllebigen, surfenden und zappenden Realität, ohne die Neugier auf das Leben zu verleugnen und sich auf der Suche nach dem Glück zu befinden.
Carmen Helbig, Inhaberin Bücherstube Schöneck

Thomas Glavinic - Das Leben der Wünsche

Roman, Hanser, 21,80 Euro
„Was wünscht sich der Mensch, wenn er sich alles wünschen kann?
Die Geschichte ist, so einfach wie kompliziert: Der Held namens Jonas - bekommt zu Beginn der Geschichte drei Wünsche frei. Er macht es sich einfach und wünscht sich, es mögen doch fortan all seine Wünsche in Erfüllung gehen. Er hat, buchstäblich, keine Ahnung, was er da tut. Tatsächlich nämlich beginnen sich die Ereignisse seines Lebens so zu entwickeln, wie er - oder, das ist das Problem: eher es in ihm - will. So stirbt, nur zum Beispiel, seine Frau, weil er eine andere liebt. Zusehends verschwimmen, für ihn wie die Leser, die Grenzen zwischen Wunsch, Traum und Realität. Jonas beginnt seine Wünsche zu fürchten und macht einen "Horrortrip".
Das ist spannend und unheimlich zugleich.
Carmen Helbig, Inhaberin Bücherstube Schöneck

John Grisham - The Confession

Der Spannungsbogen dieses Buches ist gewaltig. Nur soviel kann daher guten Gewissens vorab verraten werden: ein unschuldiger schwarzer junger Baseballspieler namens Donté Drumm wird in der texanischen Kleinstadt Sloane wegen Mordes an der weißen Cheerleaderin Nicole Yarber vor Gericht gestellt. Deren Leiche wird zwar nie gefunden und das Geständnis des Angeklagten unter rechtswidrigen Umständen erpresst, das stört aber das Gericht nicht im Geringsten.
Schließlich müssen Recht und Gesetz obsiegen und soviel Möglichkeiten gibt es in Sloane nicht, sich als Hüter dieser Ordnung zu bewähren. Und wenn sich die untersuchende Richterin und der Polizeichef kennen, dann funktioniert die Zusammenarbeit noch besser. Alle weißen Schöffen des Gerichts schicken den schwarzen Donté Drumm in die Todeszelle, dabei hätten schon die Verhörprotokolle mit all den widersprüchlichen Aussagen Dontés zum Tatgeschehen Anlass für ernste Zweifel geboten.
Donté jedenfalls sitzt in verschiedenen Todeszellen und durchlebt verschiedene Phasen seiner Isolation. Derweil kämpft der Anwalt Robbie Flak unermüdlich darum, die Falschaussage eines ehemaligen Freundes von Nicole Yarber zu belegen. Ein Kampf gegen die Zeit beginnt zudem, als der eigentliche Mörder, inzwischen unheilbar krank, aus der Haft entlassen wird und den Ausgang während seiner Zeit in einem Bewährungsheim nutzt, um einem
lutheranischem Pastor in Kansas sein Geständnis scheibchenweise anzuvertrauen, nicht ohne dessen attraktive Frau anzuhimmeln. Travis Boyette will einmal in seinem Leben die Wahrheit sagen und mit dem Fall abschließen. Schließlich, so sagt er, habe er Nicole geliebt. Er ist ein verurteilter Serienvergewaltiger, ein Mann, der seinen Trieb nie zügeln konnte und der Gewalt am eigenen Leib erfahren hat.
Dem Pastor aber schlägt die Stunde des Gewissens, er bricht das Gesetz und fährt Boyette nach Texas, um die Hinrichtung eines Unschuldigen zu verhindern.
Das Buch ist ein glänzendes Plädoyer gegen die Todesstrafe und es zeigt gleichzeitig, wie weit die Rassengleichheit in den U.S.A. ist. Jon Grisham nutzt durchaus bekannte Klischees, scheut sich aber nicht, seine Charaktere und Protagonisten mal mehr, mal weniger mit Licht und Schatten zu versehen. Zwar gibt es Gute und Böse, aber wer am Ende gewinnt, ist fast nicht zu sagen. Das Travis Boyette am Ende gar nicht todkrank ist und erst bei einem erneuten Versuch, eine Frau zu entführen und zu vergewaltigen, festgenommen wird, irritiert durchaus und lässt an Travis’ edlem Motiv zum Geständnis zweifeln.
Die Hoffnung erhält zum Schluss einen Stich und manches erscheint als Wahrheit sehr bitter. Das Buch ist dieser Tage auch in deutsch erschienen: John Grisham - Das Geständnis. Es hat leider eine traurige Aktualität bewiesen. Troy Davis, ein weiterer Todeskandidat wurde am 20.9.2011 hingerichtet trotz erheblicher Zweifel an seiner Tat. http://troyanthonydavis.org

Stephan Hawking - Die kürzeste Geschichte der Zeit
Es ist so egal und doch so faszinierend: das Universum. Keiner erklärt es so packend und fundiert.


Wolfgang Herrndorf - Sand
Man könnte meinen, hier habe jemand möglichst viele Klischees zusammen gestellt und sie durcheinander gewürfelt. Aus den vielfältigen und genau beobachteten Eindrücken ist dann die Aufgabe erwachsen, einen roten Faden zu finden, der das ganze zu einem Roman macht.
Dieser rote Faden ist der Irrwitz des Lebens, der konsequent durchhält. Der Irrwitz, den wir alle kennen, den die meisten jedoch verdrängen, denn das menschliche Gehirn neigt dazu, Zusammenhänge zu erkennen, wo es keine gibt.
Falscher Ort, falsche Zeit, diese Umstände kosten den meisten Menschen das Leben. Und so geht es schlussendlich auch dem Protagonisten, der den Namen Carl trägt, weil er seinen eigenen Namen nicht mehr kennt. Man hat ihm den Schädel eingeschlagen und er darf trotzdem weiter leben, ohne zu wissen warum und mit der Verzweiflung sich selbst finden zu müssen. Denn sie sind hinter ihm her, er hat etwas, was sie brauchen. Ist es eine Mine? Eigentlich auch egal. Da taucht Helen auf, die Frau, die sein Schicksal von nun an in der Hand halten wird. Eine Geheimagentin und der völlige Antitypus, zu all dem was Mann gemeinhin unter Frau versteht.
Das Ganze spielt in einer nordafrikanischen Hafenstadt, die natürlich von einer Wüste umgeben ist, in der sich eine Oase befindet. Und da das Ganze in den Siebziger Jahren spielt, darf eine Hippiekommune nicht fehlen, in der ein paar frühe Vorfahren der heutigen Aussteiger ihr durchgeknalltes Leben fristen. Hier besucht Helen eine Schulfreundin, die wirklich köstlich dargestellt wird. Mehr sei nicht verraten. Die Handlung besteht in erste Linie aus Verfolgungsjagden. Carl wird zunächst von Helen in ihrem Hotelappartment aufgenommen, zwischendurch immer wieder von üblen Gestalten gejagt, verprügelt, verhört und hört selbst nicht auf mit der Suche nach der Wahrheit. Helen haut ihn ein um das andere Mal aus dem Schlamassel, nur um am Ende drauf zu kommen, dass mit Carls Geschichte etwas nicht stimmt. Der amerikanische Geheimdienst, wir ahnen es, hat wie immer die Finger im Spiel und lässt Carl foltern, um ihm endlich sein Geheimnis zu entlocken. Eine absurde Situation für Menschen, der unter einer Amnesie leidet.
Soviel sei verraten, es gibt kein Happy End für Carl. Er wird angekettet und in einem unterirdischen See eines Bergwerks sich selbst überlassen. Der Leser darf den Überlegungen des Überlebenskampfes folgen und wird sich auch nicht wundern, wie viel ein Mensch ohne Essen und Trinken leisten kann Dazu ist die Geschichte zu absurd. Figuren tauchen auf und spielen einfach keine Rolle mehr.
Der Weg ist das Ziel, so könnte das Motto dieses Buches lauten. Das es einen trotz eines fehlenden Sinns fesselt, liegt an den vielen kleinen Momenten, wo die Wahrheit durch den Sand scheint. Das Leben wird in seiner Banalität und dem oben schon genannten Irrwitz derartig bloß gestellt, dass man oft genug ein inneres Schmunzeln, ja sogar ein Lachen nicht vermeiden kann.

Kahled Hosseini - Drachenläufer

Ein Bruder weiß nichts von seinem Halbbruder, Beide werden in einer Familie groß, der eine dient dem anderen völlig unwissend. Was nicht sein soll, darf nicht sein. Am Ende kommt alles heraus.

Rachel Joyce - The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry

Die Geschichte in diesem Buch könnte so oder so erzählt werden.

So: der Pensionär Harold Fry erhält eines Tages einen Brief einer ehemaligen Arbeitskollegin, in den sie ihm schreibt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt unter Angabe des Krankenhauses, in dem sie liegt. Harold erhält diesen Brief von seiner Frau, die diese Kollegin kennt. Er beschließt zu antworten und den Brief persönlich zum Briefkasten zu bringen. Der Weg dahin entwickelt sich zur langen, völlig ungeplanten, Reise und das Pilgern zu sich selbst beginnt. Harold beschließt, den Brief persönlich abzugeben.
Oder so: es wird die Lebensgeschichte zweier Menschen beschrieben, die durch eine Krise gehen mussten (Selbstmord des gemeinsamen Sohnes). Obwohl sie sich die Eheleute danach voneinander entfremdet haben und Maureen (Harold's Ehefrau) nun die plötzliche Trennung von ihrem Mann verkraften muss, finden beide letztlich wieder zueinander, kann es Maureen sogar tolerieren, dass ihr Mann Gefühle für ihre vermeintliche Konkurrentin Queenie (die Kollegin) zeigt.
Man kann also getrost von drei Hauptpersonen reden.

Doch das Buch ist erstaunlicherweise noch mehr. Es leistet sich einen Blick auf unsere Gesellschaft von außen. Es lässt den Protagonisten Harold alle Stadien durchleben, die ein einsamer Wanderer auf Britanniens Straßen durchlaufen mag. Harald lebt im Südwesten Englands und Queenie stirbt im Nordosten. Außer einer Reise durch England leistet sich die Autorin einen genauen Blick auf die Art, wie heutzutage Vermarktung funktioniert und wo sie schon einsetzen mag. Ein Reporter stößt auf Harold und befragt ihn eingehend nach seiner Reise, fotografiert ihn und fortan wird Harold nicht mehr allein sein, werden Festivitäten und Veranstaltungen seinen Weg begleiten. Harold wird das mühsam gefundene Selbst, seine Verbindung zur Natur, sein Leben mit und in ihr, kurzzeitig verlieren.
Beeindruckend die Szene, in der Queenies Tod aus ihrer Sicht geschildert wird, nachdem sie zuvor noch den Harold's Besuch bemerkt hatte, ohne mit ihm sprechen zu können.

Das Leben schreibt oft tiefe und einsame Dramen verbunden mit Gefühlen der Angst und Einsamkeit, der Ohnmacht und auch der Zuneigung gegenüber der Person, die einem im besten Fall das ganze Leben begleitet. Eine ganze Menge davon stellt Rachel Joyce in diesem Roman sehr emphatisch dar.

Mario Vargas Llosa - The Dream of the Celt
Erschienen 2012 in englisch

Roger Casement wird in Irland in der Nähe von Dublin als Sohn eines protestantischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren. Die Mutter lässt ihren Sohn heimlich katholisch taufen und stirbt, als Roger 10 Jahre alt ist. Der strenge Vater hat in der Armee des britischen Empire gedient, bricht aber nach dem Tod seiner Frau völlig zusammen. Roger wächst von da an bei seinem Onkel in der Provinz Ulster auf.
Nicht vergessen hat er die für ihn faszinierenden Schilderungen seines Vaters über dessen Auslandseinsätze. Nach dem Ende seiner Schulausbildung nimmt er auch aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen eine Stelle in Liverpool bei einer Schiffsfirma an.
Schon dort beobachtet er die Schiffsbewegungen zwischen den Kolonien und England. Er erweist sich als ein introvertierter junger gewissenhafter Mann, der einen Traum hat: nach Afrika zu reisen.
So schafft er es, als britischer Konsul im Französischen Kongo zu arbeiten. 1903, mittlerweile im Freistaat Kongo auf dem gleichen Posten, wird er dazu auserkoren, die Menschenrechtssituation der Eingeborenen zu untersuchen. Der Freistaat ist im Besitz des belgischen Königs Leopold II, der ihn systematisch ausbeutet (Kautschukvorkommen). Der Report, den Roger Casement erstellt, macht ihn nicht nur zu einem berühmten Mann, sondern er führt letztlich auch dazu, dass Leopold der II. seinen Besitz an den belgischen Staat abgeben muss.
Die Welt braucht Kautschuk und dieser wird auch in Südamerika gewonnen. Casement wird nun vom Foreign Office gebeten, die Gerüchte über die Behandlung der Eingeborenen im peruanischen Amazonasgebiet durch die in Großbritannien registrierte Peruvian Amazon Company zu überprüfen.
Wiederum deckt er grausamste Ausbeutungsmethoden und Folter auf. Sein Bericht führte dieses Mal zur Auflösung des Unternehmen, ohne dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.
Roger Casement wird zum Sir geschlagen (Companion of the Order of. St.Michael and St. George), was ihm die Widerspüchlichkeit seines bisherigen Lebens vor Augen geführt haben dürfte. Nicht nur gesundheitliche Gründe führten dazu, dass er sich aus dem diplomatischen Dienst für das Empire zurück zog. Die Liebe zu seiner viel zu früh gestorbenen Mutter war auch eine Liebe zu Irland.
Völlig desillusioniert vom EInfluss der Europäer in den Entwicklungsländern mag er für sich auch in Irland das unterdrückte Land gesehen haben. Roger Casement war stets ein Getriebener und er half, wo er konnte auch mit seinem Privatvermögen.
Mario Vargas Llosa hat nun mit dem Roman "The Dream of the Celt" praktisch eine Autobiographie von Roger Casement verfasst, die eine sehr persönliche Sicht auf den Protagonisten erlaubt.
Roger Casement hat Tagebücher, seine black und white diaries, geschrieben, die die Quelle für die geschilderten intimen persönlichen Erlebnisse von Roger Casement sind.
Leider hat Roger Casement auch seine homoerotischen Abenteuer aufgeschrieben und seine erotischen Fantasien dazu. Und es mutet schon ein wenig merkwürdig an, wenn man liest, dass er einheimischen Jungen Geld gibt, um sie nackt zu fotografieren und sich weiter mit ihnen zu vergnügen.
Alles vom britischen Geheimdienst erfunden, in Deutschland wird das gern behauptet.
Nachdem er auch überzeugt davon war, Irland könne die Befreiung vom britischen Joch nur durch einen bewaffneten Kampf erzwingen, sah er im aufstrebenden Deutschen Kaiserreich dessen natürlichen Verbündeten. Unter der Prämisse, dass Deutschland eine Invasion Englands starten würde, erschien ihm der Zeitpunkt für einen irischen Aufstand erfolgversprechend.
Er war der gälischen Liga beigetreten, mühte sich redlich, gälisch zu lernen und hatte zahlreiche Kontakte zu irischen Schriftstellern und Aktivisten. Als der Krieg ausbrach, reiste er über Umwege nach New York, um Mittel für die irischen Volontäre zu sammeln. Clan-na-Gael ermöglichten es ihm, den Kontakt zum deutschen Botschafter herzustellen. Bereits in New York lernte er einen jungen norwegischen Mann kennen, der ihn faszinierte und zu seinem ständigen Begleiter werden sollte. Über Norwegen reiste Roger Casement nun weiter nach Berlin, was dem britischen Geheimdienst sehr schnell bekannt wurde. Sein Begleiter informierte ihn über jeden Schritt Casements.
Die Pläne Casements, eine irische Brigade aus Kriegsgefangenen aufzubauen und Deutschland zu einem militärischen Angriff auf England zu veranlassen, gingen nicht auf. Casement, der den Aaubbau an seinen körperlichen Resourcen nun zu spüren bekam, musste sich in Bayern behandeln lassen und erholte sich am Ammersee völlig enttäuscht und teilweise auch allein gelassen von besten britischen Freunden, die seinen Aufenthalt in Deutschland als Verrat am Empire betrachteten. Der Dubliner Osteraufstand 1916 wurde ohne ihn geplant, denn auch in Irland hatte man Vorbehalte gegen den Intellektuellen Casement. Als er davon erfuhr, setzte er alles daran, den aus einer Sicht nun ohne ausreichende deutsche Hilfe völlig aussichtslosen Aufstand, zu verhindern. Die deutsche Regierung ermöglichte es ihm, mit einem U-Boot nach Irland zurück zu kehren und sandte ein Schiff mit Gewehren, das jedoch von den Engländern abgefangen wurde. Casement selbst wurde nach seiner Landung verraten und verhaftet.
Nach seiner Überstellung nach England begann im Juni 1916 der Prozeß wegen Hochverrats, Sabotage und Spionage gegen ihn. Das Todesurteil gegen ihn war zu erwarten, die prominenten Gnadenbesuche von Sir Arthur Canon Doyle und George Bernard Shaw hätten sicher ihre Wirkung nicht verfehlt und auch der amerikanische Präsident sowie der englische König wären vermutlich zu einem Gnadengesuch zu bewegen gewesen, gäbe es eben nicht jene Tagebücher mit den Aufzeichnungen über seine homoerotischen und sodomitischen Neigungen.
Scotland Yard hatte diese in der Londoner Wohnung Casements gefunden und Polizeikommissar Basil Thomsen ließ Tagebuchkopien in Umlauf kommen, die eine erwartete Begnadigung vereitelten.
( Eine dieser Kopien blieb im Unlauf und führte dazu, dass die britische Regierung über vierzig Jahre später das Schweigen zu den Tagebüchern brechen müsste.)
Trotz anderlautender Spekulationen: Casement hat sich zu seinen Tagebüchern auch im Prozeß bekannt.
Mario Vargas Llosa hat das Verdient, in seinem Roman Einblicke zu geben in das Schicksal von einem Menschen. EInem Menschen, den man, wie viele andere auch, nie richtig kennen lernen kann " ... that is impossible to know definitively a human being, a totality that always slips through the theoretical and rational nets that try to capture it."
Roger Casement starb als "the bravest man it ever Fell to my unhappy lot to execute", so drückte es sein Henker, John Ellis, aus.
Der Osteraufstand jedenfalls kann getrost als Geburtsstunde irischen Republik gelten, auch wenn er blutig nieder geschlagen wurde. Es zeichnete sich bereits 1916 der Preis für die Unabhängigkeit Irands ab: die Teilung Irlands.
Roger Casement wurde erst 1965 in Irland beerdigt, wobei das Begräbnis in seiner Heimat, der Provinz Ulster, von der britischen Regierung als Bedingung verweigert wurde.

Terry Pratchett - Snuff

Sam Vimes ist Commander der Stadtwache von Ankh-Morpork und ein Mensch der Stadt.
Vor allem ist er ein Copper, der beste, den Lord Vetinari im Kampf gegen das Verbrechen aufbieten kann. Ihm ist es zu verdanken, dass die Stadt, Schmelztiegel der Rassen, die die Scheibenwelt bevölkern, sicher ist. Die Frau von Sam Vimes ist Lady Sybil und gehört dagegen zum feinen Landadel. Zusammen mit dem Sohn soll endlich der lange ersehnte Familienurlaub auf dem Landsitz der Ramkimschen Familie erfolgen. Dazu erreicht Lady Sybil, dass der besagte Lord Vetinari, Bürgermeister der Stadt, seinen treuen Diener in Urlaub schickt.
Sam Vimes fürchtet das Landleben und sucht den Kontakt zu seinen Untertanen.
Er will etwas erfahren und gleichzeitig seine Langeweile besiegen. Diese hemdsärmelige Art erzeugt Misstrauen bei den Leuten und dem Adel ist er ohnehin suspekt, da die Vorfahren seiner Familie am Sturz des letzten Königs von Ankh-Morpork beteiligt waren.
So kommt es wie es kommen muss, Sam Vimes riecht das Verbrechen förmlich.
Als er bei einem Kneipenbesuch den Kopf eines Goblins an der Wand entdeckt, beginnt das Spiel. Der Dorfschmied zeigt sich der Herrschaft gegenüber respektlos und Sam Vimes fordert ihn zu einem Zweikampf heraus, den er natürlich gewinnt. Überhaupt wird viel gekämpft und mit an der Seite von Sam Vimes ist stets Willikins, der Hausdiener von Ramkin Hall, Butler und Mädchen für alles bei Lady Sybil. Ein bad guy im Kampf für das Gute, den man sich wie alle Charaktere im Buch gern selbst ausmalt.
Und da ist noch der junge Vimes, der sich für die Exkremente der Tiere interessiert und ausgiebige Nachforschungen auf dem Lande anstellt. Unterstützt wird er dabei von einer Kinderbuchautorin, die bei den Goblins aufgewachsen ist und diesen nun Selbsthilfe im Kampf ums Überleben lehrt.
Die Goblins leben in unterirdischen Höhlen und sind in tiefer Depression verfallen.
Sie werden vor allem von den Menschen der Scheibenwelt als Plage angesehen, bejagt, getötet oder zur Zwangsarbeit verschleppt.
Der Dorfschmied weiß etwas, aber ein Treffen mit ihm kommt nicht zustande. Statt des Dorfschmieds findet Sam Vimes am vereinbarten Treffpunkt am Hangmans Hill nur ein große Blutlache und den abgetrennten Finger eines Goblins.
Die Verantwortlichen des Dorfes um Lord Rust schicken den Dorfpolizisten, um Sam Vimes verhaften zu lassen und so unliebsame Nachforschungen zu verhindern. Der Dorfpolizist ist jedoch ein großer Anhänger von Sam Vimes und so fällt es diesem nicht schwer, den jungen Mann auf seine Seite zu bringen. Er ernennt ihn kurzerhand zum Chiefconstable und bringt ihm im Zuge der Nachforschungen die richtige Polizeiarbeit bei. Sam Vimes lernt viel über Goblins, auch dass sie wunderbare Musik machen können, sich einer bildhaften Sprache bedienen und dass ein jeder einen wertvollen pot mit geheimnisvollen Ingredienzien (wie Nasenschleim) für sich selbst herstellt.
Vor allem letzteres weckt Begehrlichkeiten. Bald sind jedoch zwei finstere Gestalten gefunden, die nicht nur für den Schmuggel von pots in Tabak verantwortlich sind, sondern im Auftrag von Lord Rust auch für die Entführung des Dorfschmieds und die Verschleppung von Goblins auf einem gekaperten Schiff, dass auf dem Fluss Ankh fährt.
Nachdem einer der beiden gefasst ist, presst Vimes diesem den Namen des anderen ab und verhindert die Befreiung durch eine von einem der Anwälte Lord Rusts angeführte Menschenmenge. Vimes wendet das Blatt und schafft es mithilfe des kundigen Chief Constables und eines Goblins namens Stinky das Schiff zu erreichen, wo Stratford, der Serienkiller nun das Kommando hat. Vimes befreit die Goblins, rettet das Schiff trotz eines schweren Sturms (dabei hilft ihm, dass der in der Dunkelheit sehen kann) und ist dabei den Kampf gegen den Serienmörder zu verlieren, als dieser über Bord gespült wird. Das Schiff strandet in Quirn, aber Stratford ist mit den Goblins wieder dabei zu entkommen. Ein anderes Schiff hat den Hafen bereits verlassen, wird von der Polizei geentert. Stratford bleibt verschwunden. Vimes wird nun als König des Flusses Ankh überall geehrt, kehrt zur Ramkin Hall zurück und darf mit samt seiner Familie auf einem besonderen Vergnügungsboot nach Ankh-Morpork fahren. Nun versucht Stratford, den Sohn von Sam Vimes umzubringen, wird aber von diesem gestellt. Bei der Überstellung des Gefangenen ereignet sich jedoch ein Unfall, Stratford tötet einen seiner Bewacher, wird selbst von Willikins im Kampf ausgeschaltet. Auch vor diesem Kampf gibt es die Ansage der Niederlage vorweg.
Ende gut, alles gut. Ladys Sybil veranstaltet ein Konzert mit einem hochbegabten Goblinmädchen, zu der alle Patrizier von Ankh-Morpork eingeladen sind. Die Ankh-Morpork Times überschlägt sich in positiver Kritik und spätestens jetzt ist es an Lord Vetinari, für die Gleichstellung der Goblins zur sorgen, die fortan die gleichen Rechte wie alle anderen Rassen der Scheibenwelt bekommen.
Die bittere Pille für Sam Vimes ist es, dass Lord Rust und auch sein Sohn nicht gebührend bestraft werden, da es zuvor nicht verboten war, den Goblins etwas anzutun.
Lady Sybil jedenfalls wünscht sich nun endgültig einen Familienurlaub.
Ob dieser stattfinden wird oder nicht, hängt wohl auch von der Gesundheit des Autors Terry Pratchett ab, dem dieses wunderbare Märchen gelungen ist. Dieser ist, wie er selbst bekannt gegeben hat, an Alzheimer erkrankt. Hoffen wir, dass die „Summoning Dark“ in diesem Fall nicht zu schnell eintritt.

Bärbel Schäfer und Monika Schuck - Das Gllücksgeheimnis: Paare erzählen vom Gelingen ihrer Liebe

Kiepenheuer, GB, 19,95 Euro
Alltag, Überdruss, Langeweile und Entfremdung haben bei ihnen keine Chance: Glückliche Paare.
Für ihr Buch sprachen die Journalistin Bärbel Schäfer und ihre Co-Autorin Monika Schuck mit langjährigen Paaren über ihre Beziehung. Zu Wort kommen dabei Prominente, Nicht-Prominente, Kinderreiche und Kinderlose, Heterosexuelle und Homosexuelle und auch eine Nonne erzählt von ihrer Beziehung zu Gott. Alles in allem nicht revolutionäres Neues – aber dennoch spannende Geschichten und aufschlussreiche Einblicke in die Geheimnisse glücklicher Paare.
Carmen Helbig, Inhaberin Bücherstube Schöneck

Frank Schätzing - Tod und Teufel

Kölscher Klüngel im Mittelalter und ein Auftragskiller. Urquhart lauert stets mit seiner kleinen Armbrust unter dem Umhang..

Andrea  Maria Schenkel- BUNKER

Nach „Tannöd“ und „Kalteis“ ist nun mit „Bunker“ der dritte Krimi der Erfolgsautorin erschienen. Bunker hat keinen authentischen Hintergrund wie die beiden Vorgänger, ist aber genauso klar und „eiskalt“ in seiner Form und Sprache.
Das Opfer: eine Autovermietungs-Angestellte, nicht mehr die Jüngste und nicht gerade erfolgreich im Leben. Sie wird überfallen, hat keinen Schlüssel zum Geld, den hat ihr Chef.  Der Täter nimmt sie als Geisel und bringt sie in ein Haus im Wald, wo es auch ein altes Weltkriegs-Versteck, eben den Bunker gibt.
Bis hierhin ein gängiges Grundthema einer Krimihandlung – aber: Schenkel verzichtet auf jedes vorgestanzte Klischee in Wort und Handlung. Das macht „Bunker“ zu einer höchst beunruhigenden und beklemmenden, aber auch spannenden Lektüre.

Eric-Emmanuel Schmitt - Oskar und die Dame in Rosa

Oskar ist erst zehn Jahre alt, aber er weiß, dass er an Leukämie sterben wird. Oskar ist sauer, weniger weil er sterben soll, sondern mehr, weil keiner mit ihm darüber sprechen will. Der ängstliche Arzt nicht, die verstörten Eltern nicht, die kranken Kinder auf seinem Hospitalflur ebenfalls nicht. Nur „Oma Rosa“, eine alte Krankenschwester und angebliche Ex-Catcherin, die ehrenamtlich im Krankenhaus arbeitet, stellt sich seinen Fragen. Sie empfiehlt ihm täglich einen Brief an den „lieben Gott“ zu schreiben. Obwohl er an ihn sowenig glaubt, wie an den Weihnachtsmann. Dieser Mini-Roman von nur hundert Seiten ist eine kleine Kostbarkeit. Er ist humorvoll, weise und auch etwas lakonisch. Eric-Emmanuel Schmitt, der mit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ bei uns sehr populär wurde, hat mit „Oskar und die Dame in Rosa“ eine unsentimentale, aber ergreifende Geschichte über das Leben und das Sterben geschrieben. Viele Fragen, viele kluge Antworten - und zum Weinen schön.

Martin Suter - DER KOCH

Diogenes, Geb. 21,90
"Eislutscher aus Lakritze-Honig-Ghee", "Minichaapatis mit Curryblätter-Zimt-Kokosöl-Kaviar" oder "Gefrorene Safran-Mandel-Espuma…
Maravan, 33, tamilischer Asylbewerber, der als Bürgerkriegsflüchtling aus Sri Lanka in die Schweiz geflohen ist, arbeitet als Spülhilfe in einem Zürcher Sternelokal. Tief unter seinem Niveau, denn Maravan ist ein begnadeter, leidenschaftlicher Koch. Als er gefeuert wird, ermutigt ihn seine Kollegin Andrea zu einem Deal der besonderen Art: einem gemeinsamen Catering für Liebesmenüs. Anfangs kochen sie für Paare, doch der Erfolg der aphrodisierenden Speisen spricht sich schnell herum, und eine viel zahlungskräftigere Klientel bekundet Interesse. Männer aus Politik und Wirtschaft – mit ihren nicht allzu weißen Westen. Aber Marvan benötigt das Geld dringend, um seine Familie in Sri Lanka am Leben zu erhalten.
Der neue Roman von Martin Suter ist Wirtschaftskrimi, erotisches Kochbuch und Globalisierungsreport. Und als kleines Extra finden sich die Rezepte von „Love-Food“ im Anhang- sehr lecker!

Volker Weidermann - Lichtjahre. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute
Erschienen 2006 und 2007 als Tb

Die Presse hat das Buch waren nicht gerade überschwänglich gefeiert.
Es ist klar, der Literaturbetrieb schätzt es nicht, wenn Eigenheiten der Protagonisten (der Autoren) so schonungslos ans Licht gebracht werden und nicht ausschließlich die Werke im Vordergrund stehen.
Das Buch ist eben nicht mit den „Daten deutscher Dichtung“ zu vergleichen. Und es geht auch nicht um Literaturwissenschaft, sondern um eine subjektive Auswahl und Bewertung deutscher Autoren der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart des Jahres 2005.
Weidermann schreibt über seine Begegnungen mit den Autoren/-innen und vermittelt auch bei
den anderen Nichtbesuchten den Eindruck einer ummittelbaren Beziehung. Entsprechend direkt, manchmal auch lakonisch, fallen seine Urteile aus. Umso liebevoller sind sie, wenn er einer positiven Bewertung kommt. Das nennt man Unterhaltung. Der Leser hat die Wahl zu glauben oder zu überprüfen. Die Aufstellung am Ende des Buches erleichtert die Auswahl der nächsten Lektüre.
Am meisten beeindruckt hat mich das Nachwort, in dem Volker Weidermann über seinen Besuch bei Hilde Domin (der gleichsam als Chronistin der besprochenen 60 Jahre geltenden) schreibt. Er lässt die Schriftstellerin sprechen und ihre Person hervor treten. Ihre Bücher sind ihr wie Kinder und bei Kindern darf man ja auch mal nach den Eltern fragen.
Mein persönliches Fazit dieses Buchs ist: Du kannst viel Blödsinn schreiben, sobald es sich verkaufen lässt, ist es nicht immer Literatur, aber Kunst.
Und Volker Weidemann sagt, es wird auch weiterhin Gutes und Bedeutendes geben und das ist gut so.

Thomas Wieczorek - Die verblödete Republik

Das 2009 erschienene Buch von Thomas Wieczorek hinterlässt in mir als Leser eine
einigermaßen große Unordnung.
Die Augenfälligkeit der schlechten Qualität der Information durch das Medium Fernsehen ist mir selbst schon oft genug negativ aufgefallen. Aktuell wird ja wie blöd über das Oktoberfest berichtet, obwohl es eigentlich keinen interessiert, der sich nicht selbst dort besäuft.
Das auch die Politiker ihre Kontroversen selbst nicht meinen, die sie scheinbar in der Öffentlichkeit ausfechten, ist mit gesundem Menschenverstand zu erahnen.
In dem Buch von Thomas Wieczorek nun vermischt sich das alles zu einem miesen Komplott von Medien, Politik und Wirtschaft, der die Armen unten halten will und die Reichen immer reicher macht.
Die Frage ist für mich: sind die Herrschenden so intelligent, sich so etwas auszudenken?
Oder nutzen sie nicht einfach nur die Machtinstrumente aus, die ihnen in den Schoß gelegt werden? Die Trägheit ist doch die Triebfeder menschlichen Lebens, die höchstens mal durch die Angst etwas abgeben zu müssen außer Kraft gesetzt wird.
Aber im Großen und Ganzen mag ich Thomas Wieczorek gar nicht widersprechen, er ist sicher profunder gebildet als ich. Was mich nur stutzig macht, dass er als Kronzeugen für seine Thesen immer wieder ein paar Gute hervor holt, die den Irrwitz von Politik und Lobbyismus der Unternehmer bestätigen sollen, so etwa einen Urban Priol.
Wenn es doch auch solche Sendungen wie „Die Anstalt“ im Fernsehen gibt, dann kann doch nicht alles schlecht sein. Und wer beurteilt denn, was gut und was schlecht ist?
Der Mensch an sich vergisst gern schlechte Erlebnisse und erinnert sich an die guten.
Das ist eine Eigenschaft, die für das Überleben wichtig ist. Und jeder Künstler produziert auch mal Mist, von dem sich, Gott sei Dank, das Geniale absetzen kann.
Herr Wieczorek ist ein Teil des Systems.

Marina Zwetajewa - Liebesgedichte

Eine starke Frau zerbricht in schweren Zeiten.



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